SOPA

Drei Jahre. Der letzte Eintrag ist drei Jahre her. Wow. Naja, da bin ich wieder!

Wiedereinmal gibt es einen, nein drei, gute Gründe, warum ich mich entschlossen habe, hier mal wieder etwas zu posten. Schlaflosigkeit, die Erinnerung daran irgendwann mal diesen Blog ins Leben gerufen zu haben und ein anderer Blogeintrag. Nämlich dieser hier (vielen Dank Redqueen, für die Inspiration).

SOPA, PIPA, Protect IP…das waghalsige Unterfangen das Internet unter staatliche Kontrolle zu stellen hat viele Namen. Aber Moment, es geht nichtmal um staatliche Kontrolle. Es geht darum, dass große Firmen (mit wahrscheinlich großem Einfluss auf die amerikanische Politik) kleine Firmen und Privatanbieter klein halten oder gar vom Markt verdrängen wollen. Unter dem Deckmantel von Copyright-Rechten soll hier eine Zensur betrieben werden, die es so noch nicht gegeben hat. Selbst mein Blog würde diesem Wahnsinn zum Opfer fallen können, sollte es jemals in Amerika durchgesetzt und nach Europa rübergeschwappt sein. Wirklich Angst um meinen Blog habe ich nicht, wohl aber um das, was wir das Internet zu nennen pflegen.

Wenn ihr mehr zu dem Thema wissen möchtet, schaut euch die sehr informativen Videos in den obigen Links an. Was ich hier loswerden möchte, sind meine eigenen Gedanken zu diesem Thema. Dass ich nicht unbedingt begeistert bin, mag der aufmerksame Leser schon bemerkt haben. Aber warum bin ich das nicht?

Zunächst mal ein paar Gedanken zum Copyright. Copyright ist wichtig. Wenn ich einen Text schreibe (wie diesen hier), einen Film drehe oder ein Bild zeichne, werde ich kreativ. Diese Kreativität ist schützenswert. Wenn man der geistige Vater oder die Mutter von etwas ist, möchte man, dass andere wissen, dass man diesen Text geschrieben, diesen Film gedreht, dieses Bild gezeichnet hat. Die Garantie zu haben, dass mir niemand meine geistigen Ergüsse stehlen darf, sollte ein Grundrecht des Menschen sein.
Auch ist es völlig legitim, wenn man mit dem, was man kreativ erschaffen hat, Geld verdienen möchte. Schließlich gehört es einem, man hat vielleicht viel Mühe investiert und verdient eventuell soagr seinen Lebensunterhalt mit Kreativität.
Soweit ist Copyright, meiner Meinung nach, also absolut sinnvoll.

Lächerlich wird es da, wo es nicht mehr nur um den Schutz des eigenen geistigen Eigentums geht, sondern um Macht. Das erleben wir jetzt grade in Form von Protect IP. Unter dem Vorwand des Selbstschutzes soll der amerikanischen Unterhaltungsindustrie absolute Macht über den Inhalt des Internets gegeben werden. (Solchen Machtmissbrauch gibt es übrigens auch in etwas anderer Form im deutschen Bildungssystem, wenn wissenschaftliche Verlage Publikationen nach fragwürdigen Maßstäben auswählen und zu horenden Preisen verschachern). Niemand kann mir erzählen, dass es da nur darum geht, das Copyright durchzusetzen. Denn durch das neue Gesetz wäre der Weg für Zensur geebnet. Einen Vorwand dafür eine unliebsame Seite aus der Existenz zu klagen findet sich immer und würde sich auf Grundlage von SOPA viel leichter durchsetzen lassen. Damit wäre nicht nur die Redefreiheit im Netz bedroht, sondern eben auch das, was eigentlich geschützt werden soll: die Kreativität. Und einer Indsutrie, die jedes Jahr Verlustzahlen durch Raubkopien meldet, die absolut aus der Luft gegriffen sind, traue ich nicht zu mit dieser Macht verantwortungsvoll umzugehen. (Man nimmt etwas viel eher, wenn es gratis ist, gekauft hätte man es deshalb noch lange nicht. Und warum sind auf meinen legal erworbenen DVDs minutenlange, nicht abbrechbare Warnung davor, Raupkopien zu erstellen oder zu besitzen…auf Raupkopien würde ich mir sowas nicht ansehen müssen).

Besonders die Filmindustrie hat den Aufbruch ins Internet verpasst. Und jetzt versuchen sie im Nachhinein Kontrolle über ein Medium zu erlangen, das sie anscheinend immernoch nicht ausreichend verstehen. Und das ist leider nicht nur ein Problem der Filmindustrie oder der amerikanischen Politik. Auch die deutsche Politik hat sich im Umgang mit dem Internet bisher nicht mit Ruhm bekleckert (warum fragt eigentlich nie jemand in der Regierung bei Menschen nach, die wirklich etwas davon verstehen?). Deshalb wäre zu befürchten, dass sich so etwas wie SOPA auch nach Deutschland ausbreiten könnte. Mal davon abgesehen, dass das Internet etwas internationales sein soll.

Immerhin scheint der starke Protest inzwischen Wirkung zu zeigen. Doch solltet ihr auch etwas tun wollen, obwohl ihr nicht in den USA lebt, unterstützt die Petition der Fight for the Future-Initiative. Dort könnt ihr einfach mit eurer E-Mailadresse unter dem Punkt “Not in the US?” helfen, damit dieser Wahnsinn gar nicht erst anfängt. Wir nutzen das Internet tagtäglich und es ist aus dem modernen Leben kaum mehr wegzudenken. Schützen wir die Freiheit, die wir durch dieses Medium haben, wie wir auch unser Haus, unser Privatleben schützen würden. Denn so ein großer Schritt ist es nicht, vom einen zum anderen.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

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