Immer diese Christen

Ich hab grade einen recht interessanten Artikel des Spiegels gelesen, in welchem es um das “Christival” geht. Auf den Artikel möchte ich jetzt gar nicht weiter eingehen, den könnt ihr ja auch selbst lesen (ich find ihn echt gut!). Dennoch ist er meine Inspiration diesen Artikel zu verfassen.

Ich hab mich jetzt seit dem Beginn meines Blogs um das Thema Religion gedrückt. Man tritt einfach viel zu schnell Menschen auf die Füße. Ich möchte auch hier keinen umfassenden Artikel über meine Meinung zu Religion verfassen, das würde einfach viel zu lang werden und ich hab Hunger. Aber wenigstens etwas möchte ich jetzt schonmal loswerden, vielleicht folgt später mehr (denn das Thema ist einfach unglaublich ergiebig).

Ich bin selber Christ. Auf dem Papier. Wirklich Glauben tue ich allerdings nicht. Wenn man so will, kann man mich wohl am ehesten als Agnostiker betrachten. Ich sehe weder Beweise für noch gegen Gott, ich bin also eigentlich ein Arschloch, das sich um eine klare Meinung dazu drückt. Was mir aber auffällt ist, dass viele der Menschen, die wirklich an Gott glauben, damit ihre Individualität einfach wegzuschmeißen scheinen. Natürlich gibt es da zahllose Ausnahmen. Ich möchte jetzt eine ganz bestimmte Gattung des Christen betrachten. Den Fanatiker.

Ich glaube, wenige Christen sind wahre Fanatiker. Ich habe nichts gegen Menschen, die Trost und Zuwendung in ihrem Glauben finden. Nur sollen sie mich damit in Ruhe lassen. Sobald jemand versucht, mir seinen Glauben aufzuzwingen, er versucht mir vorzuschreiben wie ich leben soll, dann wird es mir unangenehm. Warum wird im Angesicht der Religion Toleranz so schnell zu einem Fremdwort? Plötzlich sind Buddhisten und Hindus “fehlgeleitet”, Muslime glauben ebenso an den falschen Gott. Und plötzlich versucht man zu bekehren, versucht den anderen klar zu machen, wie falsch sie doch liegen. Wie viele Kriege wurden geführt, wie viele Leben genommen, nur um “Gottes Botschaft” zu verbreiten. Die Kreuzzüge wurden unter christlichem Banner geführt. Hört man heutzutage Präsident Bush reden, hört die lauten Jubelschreie des Publikums, wenn er Gott auch nur erwähnt, dann wird einem klar, wie gefährlich Religion eigentlich werden kann.

Ich sehe nichts falsches an solchen Grundsätzen wie “Du sollst nicht töten”. Nein wirklich, das erscheint mir plausibel und ich bin gerne bereit mich daran zu halten. Nächstenliebe ist echt eine feine Sache. Aber für diese einfachen Regeln des menschlichem Miteinanders brauche ich keine Götter. Nicht einen und auch nicht mehrere. So wird Gott zu oft nur als Ausrede benutzt, als Alibi für Dinge, die man mit normalem Menschenverstand nicht rechtfertigen könnte. Sind wir nur zu feige, selbst für das einzustehen, was wir verbrechen?

Gut, jetzt habe ich viel theoretisches geschrieben, geben wir dem Ganzen doch mal ein Gesicht. Ich hielt vor einiger Zeit einen Prospekt der Zeugen Jehovas in den Händen. Treffend würde ich es im Nachhinein mit folgenden Worten beschreiben: ARGH! Das was dort geschrieben steht kann einfach KEIN Gott wollen. Dermaßen auf die eigene Lebensform zu spucken, das Leben dermaßen zu verneinen, Toleranz dermaßen als falsch zu brandmarken, das kann doch einfach nicht Grundlage einer ganzen Glaubensrichtung sein! Da wird Homosexualität als eine Abartigkeit dargestellt, Sex als etwas unglaublich böses. Und das einzige, was sich langsam herauskristallisiert ist, dass Religion bei den Zeugen Jehovas nur mehr verstaubte Tradition zu sein scheint. Warum sollte Gott so etwas wie Sex in die Welt gesetzt haben, wenn er gar nicht will, dass wir ihn haben? Aber solche logischen Fehler werden dann mit möglichst abstrusen und doppeldeutigen Bibelstellen überspielt. Homosexualität als Krankheit. Meine Fresse! Da werden ganz normale Menschen deklassiert zu einer Lebensform, die gar nicht zur Existenz vorgesehen war. Und an so etwas soll ich glauben? Nein, danke!

Mehr will ich jetzt auch nicht dazu schreiben. Ich hab wirklich Hunger! Also, ehe ihr euch von einem höheren Wesen eure Lebensweise vorschreiben lasst, benutzt doch lieber euer eigenes Hirn.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

4 Antworten zu “Immer diese Christen”

  1. Wahre Worte.

    Grundsätze oder Gebote wie “Du sollst nicht töten” sind zwar sehr löblich, doch etwas weiter oben in Exodus 20,2-17 finden wir schon unlöblicheres, nämlich das nicht menschenrechtskonforme Gebot “Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.”, das der Glaubensfreiheit widerspricht. Ein Christ ist aber per definitionem jemand, der die Bibel als Richtschnur des Glaubens in ihrer Gesamtheit anerkennt – woher nimmt er sich das Recht, einfach herauszupicken, was ihm gefällt und sich dann als “Christ” zu bezeichnen? Wenn die eigenen Glaubensansichten und Vorstellungen nicht mit denen des offiziellen Christentums konform gehen (d. h. wenn man gar nicht an einen Gott glaubt, wenn man sich Glaubensfreiheit wünscht, wenn man Sex vor der Ehe möchte, wenn man Homosexuelle NICHT verabscheut, wenn man Kondome für gut befindet, die embryonale Stammzellforschung als notwendig erachtet etc.), dann sollte man doch einfach aus der Kirche austreten und “sein eigenes Ding machen”. Jeder Mensch ist mit einer gesunden Portion Verstand ausgestattet und vermag sich seine Welt eigenständig zurecht zu zimmern. Als Vernunftswesen kann sich der Mensch an moralischen Prinzipien orientieren, nicht an unsittlichen (Homosexuellenhass/Andersgläubigenverfolgung/…) Aussagen und Geboten in der Bibel.

  2. Danke, für die unterstützenden Worte

  3. Linephi Sagt:

    Warum müssen die Mensch überhaupt immer eine Religion um einen Glauben zimmern?
    Egal ob der eine sich nun durch “jeden Glauben in seiner Intelligenz beleidigt” oder der andere sich dadurch nur in seinem Leben und seiner Individualität bestärkt fühlt, so ist es doch wirklich nicht von Nöten sich in Konventionen einzubetten, die alles einfacher zu machen scheinen, nur damit sich doch wieder alle zerstreiten…
    Das heißt nicht, dass einem das Tun der Anderen egal sein sollte. Im Gegenteil: Meiner Meinung nach trägt ein gesundes Interesse nur zum besseren Verständnis der Menschen untereinander bei.
    Aber heute scheint sich sowieso keiner mehr für den Anderen zu interessieren.

  4. Auch hier danke für die unterstützenden Worte. Aber schade find ichs irgendwo. Ich hatte gehofft, jemand würde auf meinen Artikel Contra geben und es hätte sich hier eine Diskussion entwickelt. Aber Unterstützung ist auch nicht zu verachten *g*.

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